Rückblick 2024

"Frieden(s)macht Europa - gemeinsam Frieden und Klima schützen"

Der Internationale Bodensee-Friedensweg 2024 fand in Friedichshafen (DE) statt. Wir haben 800 Teilnehmer und Teilnehmerinnen gezählt!

Flyer, Video und RednerInnen #BFW24

Die Eröffnungsrede kann hier nachgelesen werden:

http://www.waffenvombodensee.com/die-nachsten-veranstaltungen/

  • mit Heike Engelhardt (Mitglied des Deutschen Bundestags, SPD)
  • Marina Hagen-Canaval (Pressesprecherin der Letzten Generation Vorarlberg),
  • und Jo Lang (Historiker, Alt-Nationalrat, Vorstand GSoA)

Wir danken allen RednerInnen, dass ihr euch die Zeit genommen habt!

„Waffenexporte rächen sich jetzt bitter“

Unter den Ostermarschierern aus der Schweiz, aus Österreich und Deutschland waren Menschen aus allen gesellschaftlichen Gruppen, unter ihnen auch zahlreiche Familien mit Kindern. Auf Transparenten forderten sie „Schwerter zu Pflugscharen“, „Keine Panzer für die Saudis“, „Wir können uns die Reichen nicht mehr leisten“ und „Keine Waffen vom Bodensee“.

Zumach übte bei der Abschlusskundgebung harsche Kritik an den Waffenexporten in Krisenregionen. „Statt dort demokratische Kräfte zu unterstützen haben wir Diktaturen unterstützt und die Konflikte damit aufgeheizt“, sagte Zumach. „Das rächt sich jetzt bitter, gerade im Nahen Osten und in Nordafrika, heute erleben wir, dass diese Waffen benutzt werden.“ Zumach verwies darauf, dass rund um den Bodensee 27 Unternehmen mit Rüstungsgütern ihr Geld verdienten.

„Politikern die Waffen aus den Händen nehmen“

Die Präsidentin des Internationalen Versöhnungsbunds, Davorka Lovrekovic, rief bei der Kundgebung dazu auf, den „Waffen vom Bodensee“ wie Flugzeugmotoren, Lenkwaffen und Drohnen die Alternative „Friedensregion Bodensee“ entgegenzustellen. Im Fall der unbemannten Kampfdrohnen forderte Lovrekovic eine internationale Ächtung. Diese Waffen richteten nicht nur einen „ungeheuren Schaden“ an, sie trügen letztlich auch zur Destabilisierung internationaler Beziehungen bei.

Drohnen müssten genauso verboten werden wie bereits biologische und chemischen Waffen oder Landminen, sagte Lovrekovic. „Dies sind konkrete Schritte auf dem Weg zur Ächtung des Krieges: den Politikern und Militärs die Waffen aus den Händen zu nehmen.“ Die bereits erkämpften Verbote ganzer Waffengattungen zeigten, dass sich der Einsatz lohne und dass die Friedensbewegung mit ihren Forderungen „in der Mitte der Gesellschaft“ stehe.

„Eine andere Welt ist möglich“

Dass diese und andere Forderungen der Friedensbewegung immer mehr Menschen erreicht, beobachtet auch der Organisator des Ostermarschs, Arne Engeli aus Rorschach. Den Grund dafür sieht er nicht zuletzt an der „zunehmend unsicheren Weltlage“. Der zumindest medial allgegenwärtige Krieg, die Massaker, der Hunger auf der Welt und der Raubbau an der Natur schreckten die Menschen auf, sagte Engeli mit Blick auf die Rekordbeteiligung am diesjährigen Friedensweg: „Die Menschen sagen: So kann es nicht mehr weitergehen, wir müssen etwas tun, denn eine andere Welt ist möglich.“

Zum weiteren Programm des Ostermarsches in Bregenz zählten neben einem interreligiösen Gebet Musikaufführungen mit Asylsuchenden, Aktionen zum Fairen Handel, gegen die europäische Flüchtlingspolitik und Plädoyers für frei zugängliches Saatgut.

Zu dem inzwischen siebten „Internationalen Bodensee-Friedensweg“ unter dem Motto „Krieg ächten – Frieden schaffen“ hatten mehr als 60 kirchliche, soziale, gewerkschaftliche und friedenspolitischen Organisationen aus der Schweiz, Österreich und Deutschland aufgerufen, darunter Amnesty International, der Internationale Versöhnungsbund, der Schweizerische Friedensrat und Pax Christi.

Warum der „Krieg gegen den Terror“ gescheitert ist, wie Frieden hergestellt werden könnte, wie die Kriege auf der Welt die Menschen in Europa bewegen. (Die Fragen stellt Wolfgang Frey)

Keine Nahrungsmittelspekulation

Wichtigste Keimzelle des Friedens sei eine gerechte Verteilung des Reichtums innerhalb und zwischen den Völkern, mahnte Engeli. Dazu müsse die Schere zwischen „bettelarm“ und „steinreich“ weltweit geschlossen werden. Engeli sprach sich klar gegen die Spekulation mit Nahrungsmitteln aus. Heute werde an den Rohstoffbörsen sechs Mal mehr Weizen gehandelt, als überhaupt geerntet werden könne. Dies treibe die Preise in die Höhe, auf Kosten der Ärmsten der Armen auf der Welt. „Dem müssen wir durch ein Spekulationsverbot den Riegel vorschieben“, sagte Engeli. Klar zu unterstützen sei die kürzlich von Jungsozialisten und Hilfswerken lancierte Volksinitiative „Keine Spekulation mit Nahrungsmitteln“. Mit einem „Ja“ könne die Schweiz ein weltweite Vorreiterrolle übernehmen.

Gegen eine „Festung Europa“

In ihrer Abschlusserklärung kritisierten die Friedensaktivisten auch die europäische Flüchtlingspolitik: „Wir sagen ’nein‘ zu einer Asylpolitik, die Flüchtlinge an der Festung Europa scheitern lässt.“ Zudem müssten umweltgefährdende Rohstoff-Fördermethoden wie das Erdgas-Fracking verboten werden, speziell auch rund um das Trinkwasserreservoir Bodensee.

Zu dem Friedensweg durch das Lindauer Stadtgebiet unter dem Motto „Krieg ächten – Frieden schaffen“ hatten rund 70 Organisationen aus dem Bodenseeraum aufgerufen, darunter Menschenrechtsorganisationen, Kirchen, Parteien und Gewerkschaften. Der Friedensweg fand zum sechsten Mal statt. Er knüpft an die Tradition der Internationalen Bodensee-Ostermärsche an. Der erste führte vor 30 Jahren ebenfalls nach Lindau.

Vita

Seit 50 Jahren antimilitaristisches und pazifistisches Engagement, mit Betonung auf der Finanzierung von Kriegskassen aus der Schweiz, insbesondere aus dem Rohstoffhandelszentrum Zug; 1982 bis 2011 Tätigkeit in kommunalen, kantonalen und nationalen Parlamenten, seit 1984 Vorstand der GSoA, Mitinitiant TPNW-Unterzeichnung, Historiker mit Schwerpunkten Demokratie, Katholizismus, Antisemitismus.

Statement

Die schweizerische Schlüsselfrage beim Ukraine-Krieg ist das jahrelange Füllen der russischen Kriegskasse durch den ökonomischen Putinismus in der Schweiz. Die Schweiz schuldet deshalb der Ukraine für die humanitäre und Wiederaufbau-Hilfe Abermilliarden. Auch dafür braucht es eine Kriegsgewinnsteuer.

(Bildrechte: Christian H. Hildebrand)

(Bildquelle: Claudia Casagranda)

Bildungs- und Berufsweg

  • Lehramt an Grund- und Hauptschulen
  • Redakteurin bei verschiedenen Lokalzeitungen
  • Referentin für Kommunikation und Pressesprecherin beim Zentrum für Psychiatrie Südwürttemberg
  • Systemische Coach und Prozessberaterin

 

Politischer Weg

  • 2022-2023 Vorsitzende der deutschen Sektion der Sozialistische Bodensee-Internationale
  • Mitglied im  Ausschuss für Menschenrechte und humanitäre Hilfe und im Gesundheitsausschuss. Parlamentarische Versammlung des Europarats (PVER)
  • Seit 2021 SPD-Abgeordnete des Deutschen Bundestages für den Wahlkreis Ravensburg, betreuend für den östlichen Teil des Bodenseekreises
  • 2015 bis 2020 Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen im Kreis Ravensburg
  • Seit 2017 Stadträtin und seit 2018 Fraktionsvorsitzende im Gemeinderat RV  
  • Seit 2016 Vorsitzende des SPD-Kreisverbandes Ravensburg 

 

Mitgliedschaften (Auswahl)

  • Stellvertretende Vorsitzende Städtepartnerschaftsverein Ravensburg „Die Brückenbauer“
  • Arbeiterwohlfahrt
  • BUND
  • Gegen Vergessen Für Demokratie
  • Gewerkschaft Verdi

Beitrag von Mina Hagen-Canaval zum BFW 2024

Liebe Teilnehmer:innen des Bodensee Friedenswegs,

Mein Name ist Marina Hagen-Canaval und ich bin Sprecherin der Letzten Generation Österreich. Wir leisten friedlichen, zivilen Widerstand, um die österreichische Regierung dazu zu bringen, sich endlich an ihre eigenen Gesetze zu halten. Aber es ist mühsam, Veränderungen passieren viel zu langsam – während uns die Zeit immer schneller zwischen unseren Fingern zerrinnt.

Wir stehen vor der wohl größten Herausforderung der Menschheit und ich übertreibe nicht: Wir stehen kurz vor einer eskalierenden Klimakatastrophe. Diese globale Bedrohung ist nicht nur ein Klima oder Umweltproblem. Es geht hier nicht um die Eisbären, auch wenn sie mir persönlich lebend am liebsten wären. Es ist eine direkte Bedrohung für unsere Demokratie, unsere Lebensgrundlagen, unsere Sicherheit und den Frieden.

Wir sehen es bereits heute, wie die Klimakrise zu Konflikten um Ressourcen wie Nahrung und Wasser führt – oder, noch schlimmer, bewaffnete Konflikte befeuert. Die Klimakatstrophe verwandelt fruchtbaren Boden in Wüste, verursacht Extremwetterkatastrophen, die unendliches Leid erzeugen oder legt Wasserquellen – vor allem im globalen Süden – trocken. Die dadurch entstehenden Spannungen führen unweigerlich zu Konflikten und Kriegen. Und wenn wir mit unserer Geschichte in Europa eines gelernt haben, dann, dass Kriege nichts bringen, Existenzen zerstören und Menschenleben kosten.

Wir täuschen uns gewaltig, wenn wir glauben, dass die Klimakrise uns nicht betrifft. Die Auswirkungen sind global – Menschen werden flüchten müssen. Bis 2050 wird jeder dritte Mensch seine Lebensgrundlagen verlieren – was glaubt ihr, wo diese Menschen hinflüchten? Natürlich dahin, wo es sich noch halbwegs aushalten lässt – zu uns nach Europa. Und 2015 hat mir jede Hoffnung geraubt, dass wir solidarisch miteinander sind, wenn Menschen in Not zu uns kommen. Wir müssen uns der Realität stellen und handeln, bevor es zu spät ist und die Klimakatastrophe eskaliert.

Die Klimakrise ist ein Brandbeschleuniger für Konflikte. Wenn wir den Frieden bewahren wollen, müssen wir die Klimakrise eindämmen. Das ist nicht nur eine ökologische Notwendigkeit, sondern auch eine Friedenspflicht. Klimapolitik ist Friedenspolitik!

Wie viele andere Gruppen hat die Letzte Generation Österreich das erkannt. Wir setzen uns mit Nachdruck für wirksame Maßnahmen zur Bekämpfung der Klimakrise ein. Unsere Proteste sind ein Aufruf zum Handeln. Wir fordern die Regierung auf, sofortige und entschiedene Schritte zu unternehmen, um die Emissionen radikal zu reduzieren und unsere Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen, die Kriege befeuern, zu beenden. Wir stehen für eine Zukunft, in der Nachhaltigkeit und Respekt für unseren Planeten die Grundlagen unserer Gesellschaft bilden. Unser Vorschlag, ein Grundrecht auf Klimaschutz in der Verfassung, kann ein erster Schritt sein.

Unsere Proteste mögen kontrovers sein, aber in der heutigen Zeit haben wir nicht mehr den Luxus, unpolitisch zu sein oder uns mit Ausreden von Politiker:innen zufrieden zu geben. Wir müssen uns alle einsetzen und ich möchte Sie alle hier einladen: Beziehen Sie Position, wie sie es am heute auf diesem Spaziergang tun. Unterstützen Sie Bürgerinitiativen. Spenden Sie an lokale Gruppen, die sich für soziale Gerechtigkeit einsetzen. Ziehen Sie Politiker:innen in Machtpositionen zur Verantwortung, wenn sie Menschenleben durch Inaktivität gefährden. Gehen Sie gegen Faschismus auf die Straße. Engagieren Sie sich!

Eine sichere, demokratische Zukunft ist möglich. Sie ist sogar in greifbarer Nähe. Wir können es schaffen, aber nur, wenn wir das zusammen tun.

Ich danke Ihnen fürs Zuhören.

 

Vita:

Studium Betriebswirtschaftslehre an der Universität Liechtenstein. Masterabschlüsse in Wirtschaftsinformatik an der Universität Liechtenstein und Universität Würzburg. 2020 IT-Projektmanagerin in der Privatwirtschaft. Seit 2023 Vollzeit für Letzte Generation als Pressesprecherin und bei Extinction Rebellion. www.klimarapunzel.at
 

Statement:

Ich habe das Privileg, mich mit meiner ganzen Energie dem Schutz unserer Zivilisation zu widmen, die durch die Klimakatastrophe massiv bedroht wird. Da ich überzeugt bin, dass eine klimagerechte Zukunft auch eine friedliche sein muss, unterstütze ich den Bodensee-Friedensweg.

(Bild von Andreas Stroh)

Andreas Zumach ist freier Journalist zu Themen der UNO und der internationalen Politik für die Berliner „tageszeitung“ (taz) und andere Medien in Deutschland und anderen Ländern (mit Sitz in Berlin).

Buchautor: zuletzt: „Reform oder Blockade- welche Zukunft hat die UNO  (Rotpunkt-Verlag Zürich 2021)

 

Vita

– geb. 1954 in Köln

– von 1975 bis 1979 Studium in Köln (Sozialarbeit, Journalismus und

  Volkswirtschaft)

– 1988-2020 Korrespondent  für Printmedien (u.a. „taz“) Rundfunk und Fernsehen

  sowie die Internetplattform „infosperber“ aus dem  Palais des Nations,  Genf

– 2009: Auszeichnung mit dem Göttinger Friedenspreis

– 2004 Kant-Weltbürgerpreis, Freiburg

– 1997 Goldpreis des Verbandes der UNO-Korrespondenten in New York (UNCA) für die beste Berichterstattung über die UNO

(Quelle: R)

Der Bodensee Friedensweg 2024

Die Veranstaltung wurde umrahmt mit Musik durch Brainfisch, auch euch ein herzliches Dankeschön!

www.brainfisch.at

Eröffnungsrede auf dem Ostermarsch am 1.4.2024, von Günter Weber, Friedrichshafen. Herzlichen Dank an Günter Weber für den sehr interessanten und einfühlsamen Beitrag über die Geschichte von Friedrichshafen!

Danke für die Fotos an A. Brugger, L. Reiner, A. Saleem, M. Schulze v. Glaßer, O. Siegemund und I. Weber sowie Filmschnitt/YouTube durch Helena Schütte und den Videobericht von Andreas Schwendener sowie alle Radiointerviews in Radio Proton mit Ruth Kanamüller!

Bericht in der Zeitung „Schwäbische“, leider wurden nur 300 Teilnehmer erwähnt, wir selbst haben 800 gezählt!

Eigenbericht zum Bodensee-Friedensweg 2024

Von Lena Reiner

Friedensbewegt sein muss nicht bedeuten, sich in allen Details einig zu sein. Das haben besonders die letzten zwei Jahre gezeigt, seit der russische Angriffskrieg auf die Ukraine die Schlagzeilen prägt. Ein entsprechendes Meinungsspektrum brachte auch der diesjährige internationale Bodensee-Friedensweg in Friedrichshafen auf die Bühne und bewies dabei Mut zu Dissens. Die rund 300 Veranstaltungsteilnehmer belohnten diesen mit Applaus und langem Stehvermögen, trotz kühler Temperaturen und anfänglichen Nieselregens. Den Auftakt macht Günther Weber, der seit 35 Jahren in Friedrichshafen lebt und sich für Frieden stark macht. Er erinnerte die Teilnehmer an die Geschichte Friedrichshafens, besonders den 28. April 1944. „322 Lancasterbomber erreichten Friedrichshafen um 1 Uhr 05. 70 Minuten später lag die Altstadt in Schutt und Asche.“ Nur in dieser Nacht seien mehr als 200 Menschen getötet worden.

Weitere Hunderte starben in der Folge bei weiteren Angriffen auf die Rüstungsstadt. Die Zerstörung dieser sei in Berlin vorhergesehen und in Kauf genommen worden; das belegen auch die Wiederaufbaupläne für die Stadt am See, die bereits 1940 fertig in der Schublade lagen.

Organisator Frieder Fahrbach gedachte daraufhin mit einem Moment der Stille aller Opfer aller

Kriege weltweit.

Dann ging es in einem Zug durch die Innenstadt vom Buchhornplatz über die Karl- und Friedrichstraße bis zur Musikmuschel am Ufer. Unterwegs blieben einige Passanten stehen und lasen die Botschaften der Marschierenden, die sich gegen Waffenlieferungen an Israel, für ein Ende des Genozids im Gaza, für ein Ende des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine und generell mehr Frieden in der Welt stark machten. Friedensaktivisten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz kamen zusammen, dazu Umweltaktivisten, denn der internationale Bodensee-Friedensweg verbindet traditionell den Schutz von Umwelt und den Erhalt des Friedens.

Moderiert von Andreas Zumach äußerten sich die österreichische Pressesprecherin der Letzten Generation Marina Hagen-Canaval, der Schweizer Historiker Jo Lang und die deutsche SPDBundestagsabgeordnete Heike Engelhardt zu den großen Fragen rund um Krieg und Frieden. Zumach erinnerte in seinen Eröffnungsworten an die Proteste in Israel, die nicht nur eine Freilassung der Geiseln forderten, sondern auch eine Waffenruhe im Gaza-Streifen sowie ein Ende der Amtszeit von Regierungschef Benjamin Netanjahu: „Ihnen gilt unsere Solidarität!“

„Ich halte nichts davon, dass Europa sich zur Atommacht aufspielt und ein gnadenloses Wettrüsten beginnt. Ich komme aus der Generation ‚Frieden schaffen ohne Waffen“, stellte Engelhardt direkt zu Beginn klar. Auch die anderen Podiumsgäste hielten wenig vom „atomaren Schutzschirm“, den sie ganz grundsätzlich in Frage stellten. Wichtig hingegen seien Verhandlungen, auch da bestand Einigkeit. Zumach hinterfragte, ob Bedingungen, wie die Ukraine sie stelle, dass erst verhandelt würde, wenn alle russischen Truppen abgezogen seien, zulässig seien. Lang positionierte sich zuerst:„Ich würde jetzt aus verhandlungstaktischen Aussagen keine Essenz einer Regierung ziehen.“ Aber eins sei klar: „Ich werde nie an die Ukraine, die angegriffen wurde, Forderungen stellen. Ich stelle Forderungen an Putin, der angegriffen hat. Aber es stimmt; am Schluss muss man mit dem Feind reden, das weiß auch Selenskij.“ „Es ist ein komplexes Thema, das kann man nicht schwarz-weiß diskutieren“, betonte Engelhardt, „ich kann mir unter Umständen vorstellen, dass es eine internationale Friedensmission gibt, die in der Ukraine für eine Übergangszeit tätig ist.“ Diese könne Putin und Selenskij ermöglichen, an den Verhandlungstisch zu kommen und auch wenn es jetzt schwerfalle: „die ermögliche, dass beide Seiten nicht ihr Gesicht verlieren.“ Denn für eine Versöhnung brauche es am Ende zwei zufriedene Verhandlungspartner. Gleichzeitig widersprach sich dem Schild eines Demonstranten: „Ich denke, es steht uns nicht zu, von der Ukraine zu fordern, neutral zu sein oder irgendeinem Bündnis beizutreten.“ Wichtig sei es, unabhängig von russischen Energielieferungen zu werden, betonte vor allem Hagen- Canaval und forderte eine konsequente Energiewende, auch im Hinblick auf den Klimawandel ganz im Sinne der Veranstaltung, die den Einsatz für Frieden und Umwelt traditionell verbindet: „Wenn niemand mehr Öl und Gas kauft, dann wird die russische Wirtschaft sich verändern müssen. Das musste die Schreibmaschinenindustrie genauso. Wenn wir immer nur sagen ‚die arme Wirtschaft‘, dann sterben wir alle an der Klimakatastrophe und ihren Folgen.“ Zuvor jedoch werde der Klimawandel zu weiteren Krisen führen: Kampf um Wasser und Nahrung nämlich. Jo Lang betonte, dass es kein Widerspruch sei, die Ukraine militärisch zu unterstützen und sich

Aufrüstung entgegenzustellen: „Das ist nur ein vermeintlicher Widerspruch derer, die das gleichsetzen. Wir müssen nicht aufrüsten. Westeuropa und die USA sind Russland ohnehin schon militärisch überlegen.“ Und eben damit schlug er auch den Bogen zu seiner Vorrednerin: „Es ist unwahrscheinlich, dass Putin uns angreift und wir dürfen nicht über etwas so Unwahrscheinlichem das aus den Augen verlieren, was sicher ist. Die Klima-Erhitzung trifft uns nämlich alle, wenn wir nicht bald etwas sehr Mutiges tun!“

Und so endete eine Veranstaltung, die einigen Stoff zum Nach- und Weiterdenken anbot, mit Applaus, Dank und Livemusik.

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